Eduard Selzam

Eduard Selzam

1859 - 1951
Eduard Selzam war der erste Künstler, der sich am Westufer des Ammersees niederließ. Möglicherweise war er es, der Professor Paul Hoecker, „den ersten modernen Lehrer“ der Akademie der Bildenden Künste München, und den Bildhauer Mathias Gasteiger für die Landschaft rund um Utting und Holzhausen begeisterte.Lesen Sie die Vita von Eduard Selzam hier

Eduard Selzam und Holzhausen
Metier:
Malerei
In Holzhausen:
1889 - 1951

Kunstwerke & Geschichten

Nach dem Amt

Eduard Selzam wählte als Schauplatz für sein Gemälde „Nach dem Amt“ den Platz vor der Kirche St. Jakob in Schondorf. Der romanische Tuffquaderbau aus der Mitte des 12. Jahrhunderts ist eines der ältesten, noch weitgehend im ursprünglichen Zustand erhaltenen Bauwerke in der Region. Die doppelgeschossige Kirche mit ihrem auffallend großen Dachgeschoss wurde 1149 von dem Schondorfer Adeligen und Ministerialen Chounradus gegründet. Im Jahrtagsverzeichnis von Diessen wird Chounradus gelobt: „… der die Kirche in lobenswerter Weise mit Kunstfertigkeit errichtet hat.“ Die Kirche verfügt über ein unterirdisches Gewölbe und das rechteckige Langhaus weist eine etwas eingezogene halbrunde Apsis auf. Dieser Ort hat auch eine persönliche Bedeutung für den Maler Eduard Selzam. In unmittelbarer Nähe steht bis heute das Wirtshaus Post. Seine Ehefrau Agathe war die Tochter des Postwirts. Vor dem Eingang an der südlichen Langseite der kleinen Kirche, deren Mauerwerk gut sichtbar ist, sind mehrere Bildfiguren zu sehen: ein älterer Bauer und Frauen in sonntäglicher Tracht. Am rechten Bildrand ist eine weitere Bildfigur schemenhaft zu erkennen, sie wurde vermutlich später übermalt. Rechts im Vordergrund geht eine junge Frau. Sie blickt aus dem Bild, ihr Gesicht ist dem Betrachter zugewandt. Sie trägt ein schwarzes Jäckchen über einer hochgeschlossenen Spitzenbluse, einen Rock in einem dunklen rötlichen Farbton und rot schwarz gestreiften Details. Eine Haube mit kleinem Schleier umrahmt ihr Gesicht, das Gebetbuch und einen Rosenkranz hält sie in der rechten Hand. Vermutlich handelt es sich um Agathe, die spätere Ehefrau des Malers. Hinter ihr ist eine ältere Frau im Profil zu sehen. Die weiße Bluse mit den bauschigen Ärmeln steht im Kontrast zum schwarzen Kleid. Eine weitere Frau tritt aus dem rundbogigen Portal der Kirche heraus, die rechte Hand am Geländer, steht sie auf der zweiten Treppenstufe. Links von der Mittelachse ist ein alter Mann auf einen Stock gestützt zu sehen. Er fasst sich mit der linken Hand an die Hutkrempe. Auffallend sind die derben Schuhe des Bauern. Links vom unteren Absatz der Treppe sitzen eine junge Frau mit weißer Schürze und eine weitere weibliche Bildperson, die in ihr Gebetbuch vertieft ist. In seinem Werk „Nach dem Amt" schildert Selzam die Minuten nach dem Gottesdienst, in denen die Kirchgänger auseinandergehen.

Sommer

Eduard Selzams Gemälde „Sommer“ wurde von seinen Nachkommen aus dem Kunsthandel erworben. Es ist in der Literatur doppelt dokumentiert: Friedrich von Bötticher führt es unter dem Titel „Sommer. Zwei im Schatten ruhende Schnitter u. eine Wasserträgerin“ als eines von vierzehn Werken Selzams auf. Es wurde 1890 in der Jahresausstellung im Münchener Glaspalast gezeigt und erscheint im Juni 1894 im Katalog des Berliner Auktionshauses Lepke. Damit ist das Bild vor 1890 zu datieren. Im Unterschied zu anderen Werken von Eduard Selzam ist die Malweise aufgelockerter, kleinteiliger und weist auch in der Farbigkeit deutlichere Bezüge zum Impressionismus auf. Dies gilt insbesondere für die sommerliche Vegetation. Die Wiese mit ihren bunten Blumen im Vordergrund und die Blätter der Bäume sind in zahlreichen Grünvaleurs wiedergegeben. Die etwas größere linke Hälfte des Bildes ist verschattet. Dort rasten die Schnitter, zwei junge Männer mit ihren Hüten, halb liegend im Gras. Eine Sichel lehnt an einem Baumstamm links am Bildrand. Die Blicke der Schnitter folgen einem jungen Mädchen, das rechts im Vordergrund im Vorübergehen einen Moment inne zu halten scheint. Die etwas kleinere rechte Seite des Bildes erscheint sonnenbeschienen im hellen Mittagslicht eines heißen Sommertages. Das Mädchen trägt einen Krug in ihrer rechten Hand und gleicht das Gewicht mit dem linken ausgestreckten Arm aus. Offenbar ist der gut gefüllte Wasserkrug recht schwer. Die Wasserträgerin ist in Tracht gekleidet, ein weißes Kopftuch umrahmt das Gesicht. Besonders das rote Mieder steht komplementär und im Kontrast zu dem dominierenden Grün der umgebenden Landschaft.

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